Fr, Nov 7

KOLLEKTIVE RESONANZEN | Kunstausstellung | C. Schneider, M. Wespi, M.Wirz, J. Escoffier, Loukhine, D.Orendain

Verfügbar!

Zeit und Ort

Nov 7, 2025, 19:00 PM - 22:00 PM

Über die Veranstaltung

Kollektive Resonanzen

Vernissage: 7. November 2025 | ab 19:00
Dauer der Ausstellung : bis am 6. Dezember 2025

CUADRO22 | Galerieraum
KünstlerInnen: Curdin Schneider (CH), Moni Wespi (CH/BE), Mirjam Wirz (CH/COL), Julie Escoffier (F), Loukhine (CH), Diego Orendain (MX)
Kuration: Ramiro Estrada und Gina Estrada-Raponi

Resonanz ist mehr als nur ein physikalisches Phänomen – sie ist eine fundamentale Kraft des Zusammenklangs, der Verstärkung und der kollektiven Schwingung. In einer Zeit fragmentierter Realitäten und individualisierter Wahrnehmungen erforscht "Kollektive Resonanzen" die Möglichkeiten gemeinschaftlicher Erfahrung durch Kunst. Sechs internationale Positionen schaffen einen vielstimmigen Chor, der die Grenzen zwischen Individuum und Kollektiv, zwischen lokaler Identität und globaler Vernetzung hinterfragt und dabei jene tieferen Schichten kulturellen Bewusstseins berührt, die uns als Gesellschaft verbinden.

Das Resonanzprinzip als künstlerische Methode
Diego Orendain (MX) verkörpert das Konzept der Resonanz in seiner reinsten Form: Seine Klanginstallationen verwandeln Architektur in akustische Skulptur und erforschen, wie Klang auf räumliche Strukturen reagiert. Seine künstlerische Forschung konzentriert sich auf die Übertragung von Ideen zwischen Wissenschaft und Kunst, wobei er durch Bild, Ton und Installationen die Mechanismen unserer Wahrnehmung als politisches und kulturelles Terrain befragt. Während einer Residenz im Cuadro22 wird er eine neue ortsspezifische Arbeit für die Ausstellung entwickeln.

Curdin Schneider (CH) dekonstruiert in seinem multimedialen Schaffen die Mechanismen der Wahrnehmung selbst. Seine preisgekrönte Videoarbeit "Camkiller" zeigt die wiederholte Zerstörung der Kamera – ein Moment, in dem sich das Medium Film im Augenblick seiner eigenen Auflösung reflektiert. Für "Kollektive Resonanzen" entwickelt er eine neue Installation, die diese Selbstreflexivität zur Metapher für die Fragilität und gleichzeitige Wirkmacht von Kommunikationssystemen macht.

Zwischen Bewegung und Transformation
Moni Wespi erforscht in ihren "Moving Portraits" die Fluidität zeitgenössischer Identität. Ihre performativen Konzepte und szenographischen Arbeiten schaffen Räume, in denen sich Individual- und Kollektivkörper begegnen und gegenseitig transformieren. Bewegung wird zu einem Medium der Verhandlung zwischen Selbst und Anderem, zwischen bewussten Gesten und unbewussten Impulsen.

Loukhine erweitert diese Auseinandersetzung ins Performative. Als Mitglied des Quantum Kollektivs schafft Loukhine aus "merkwürdigen Momenten" surreale Welten für Raum, Bild und Ton. Die Arbeiten zu Transgender-Identität zeigen, wie persönliche Transformation zu universellen Resonanzräumen werden kann – eine Körperpolitik, die das Individuelle ins Kollektive überführt und dabei neue Formen des Zusammenseins erschafft.

Kulturelle Übertragungen und materielle Alchemie
Mirjam Wirz dokumentiert als Fotografin und Forscherin die Cumbia-Kultur zwischen Mexiko und Kolumbien. Seit 2010 erforscht sie die Cumbia und deren DJ's/Sonideros, ihre Publikationsreihe "Sonidero City" wird zu einer ethnographischen Langzeitstudie. Ihre Arbeit zeigt, wie Musik als kultureller Resonanzkörper fungiert, der geografische und soziale Grenzen überwindet und dabei kollektive Erinnerungen aktiviert.

Julie Escoffier materialisiert das Konzept der Resonanz durch ihre experimentellen Skulpturen wie "Whole even when broken, they are fire and water in the same immortal transparency" (2025). Ihre Arbeiten aus Gussharz, Kontaktmikrofonen und Lichtinstallationen "performen, mutieren und transformieren sich während der gesamten Ausstellungsdauer" – eine Alchemie der Materialien, die Zeit, Klang und Prozess als skulpturale Medien begreift. Als Mitglied des Duo Evernia erforscht sie gemeinsam mit der Umweltingenieurin Héloïse Thouément ökologische Resonanzen zwischen Kunst und Wissenschaft.

Kollektive Ontologien
Diese sechs Positionen verbindet eine fundamentale Skepsis gegenüber statischen Identitäten und geschlossenen Systemen. Sie verstehen Kunst als lebendigen Organismus, der erst im Austausch mit seinem Umfeld – sei es architektonisch, kulturell oder körperlich – seine volle Bedeutung entfaltet. "Die Übertragung von Ideen und Konzepten zwischen Wissenschaft und Kunst, Gedächtnis, Sprache und Wahrnehmung" wird zur gemeinsamen Forschungsmethode.
Ihre Arbeiten schaffen neue Formen des Seins, die sich zwischen Individual- und Gruppenerfahrung bewegen. Sie zeigen, dass Resonanz nicht nur ein physikalisches, sondern auch ein politisches und soziales Phänomen ist: die Fähigkeit, gemeinsam zu schwingen, sich gegenseitig zu verstärken und dabei neue Realitäten zu erzeugen, die aus geteilten, oft unausgesprochenen Sehnsüchten erwachsen. 

Der Resonanzraum als politisches Modell
"Kollektive Resonanzen" wird somit zu mehr als einer Gruppenausstellung – sie wird zu einem Modell für zeitgenössische Kunstpraxis, die Gemeinschaft nicht als gegeben voraussetzt, sondern als kontinuierlichen Prozess der Verhandlung und Transformation begreift. In einer Zeit, in der globale Herausforderungen nur kollektiv bewältigt werden können, zeigen diese Arbeiten Wege auf, wie individuelle Stimmen zu einem gemeinsamen Chor werden können, ohne ihre Eigenart zu verlieren.

"Kollektive Resonanzen" ist Teil des Langen Samstages am 15. November 2025. An diesem besonderen Tag verwandelt sich ganz Chur in ein einziges grosses Kulturfestiva. Cuadro22 öffnet die Ausstellung "Kollektive Resonanzen" von 10 bis 22 Uhr und wird darüber hinaus mit einem bunten Kulturprogramm bis in die frühen Morgenstunden um 3.00 Uhr Teil dieses städtischen Resonanzraums – unter anderem mit Moni Wespis "Moving Bling"-Projekt, die das Publikum selbst zum performativen Element macht. "Kollektive Resonanzen" wird dabei zum Übertitel für das gesamte Programm dieses Abends und zeigt als temporäres Kollektiv, dass Gemeinschaft nicht Uniformität bedeutet, sondern die Kunst des Zusammenklangs in der Verschiedenheit.