Sa, Jan 10

THOMAS ZINDEL | Wilde Ordnung | Ausstellung

Kunstausstellung

Verfügbar!

Zeit und Ort

Jan 10, 2026, 14:00 PM - 18:00 PM

Über die Veranstaltung

Thomas Zindel – Wilde Ordnung


Dauer der Ausstellung: 
bis am 10. Januar 2026








Die Rückkehr zur Geste: Zwischen Konstruktion und Expression

Thomas Zindel vollzieht mit "Wilde Ordnung" eine radikale Werkwende. Nach zwei Jahrzehnten konstruktivistischer Disziplin kehrt er zur expressiven Geste seiner Anfänge zurück – eine Rückkehr, die die Erfahrung von über vier Jahrzehnten künstlerischer Praxis in sich trägt.

Die konstruktivistische Phase: 2003–2021

Von 2003 bis 2021 entwickelte Zindel eine Folge von Werkgruppen, die in ihrer geometrischen Strenge an die Tradition der konkreten Kunst anknüpften: "noli me tangere" (2005), "Ikonen", "Territorien 1", "stations of the cross" (2007/08), "Adagio sostenuto" (2012/13), "das Kleid für Tina" (2014), "Territorien 2", "Architektur spielen". Diese Arbeiten – durchdrungen von musikalischen und philosophischen Referenzen – entwickelten eine meditative Räumlichkeit. Linien- und Kreisraster, in die symbolträchtige Farben wie Rot, Blau oder Gold eingeschrieben wurden. Eine selbstreferenzielle Malerei, die das Prinzip der Ordnung bis an seine Grenze trieb.

2016 beendete Zindel seine malerische Praxis mit dem interdisziplinären Gesamtkunstwerk "Tec Nev" im Theater Chur und widmete sich fortan seiner Galerietätigkeit. 2019 kehrte er zur Malerei zurück.

Die Zäsur: Frühjahr 2022

Im Frühjahr 2022 ereignete sich die entscheidende Wende: Zindel verlor den Zugang zu seinem Material. Was zunächst als Krise erschien, wurde zur produktiven Befreiung. Er entschloss sich, andere Möglichkeiten des gemalten Bildes zu erkunden – ein radikaler Rückgriff auf elementare Mittel. Die Übermalungen konstruktivistischer Bildfragmente mit expressiver, gestischer, wilder Malerei verbinden sich mit seinen Anfängen von 1979, als Zindel noch mit heftigem Duktus arbeitete. Eine Rückkehr zu den Wurzeln, aber mit der Erfahrung von über vier Jahrzehnten künstlerischer Praxis.

Landschaften: Zwischen Kontrolle und Chaos

Seit Frühjahr 2022 entstehen die "Landschaften" – nicht als Abbilder, sondern als Prozessspuren, als Erfahrungen von Welt. Die Arbeiten zeigen eine Entwicklung vom Kontrollierten zum Offenen, vom Geplanten zum Prozesshaften. Klare, gerade Linien und klar abgegrenzte Flächen, die noch die konstruktivistischen Arbeiten prägten, verlieren zunehmend an Bedeutung – bis sie schließlich nicht mehr vorkommen. Was bleibt, sind Farbschichten, gestische Überlagerungen, Spuren eines malerischen Denkens, das sich selbst beim Entstehen beobachtet.


Biografie

Thomas Zindel (*29. Februar 1956 in Uznach, lebt und arbeitet in Chur)

Thomas Zindel zählt zu den profiliertesten Künstlern Graubündens. Sein Werk, seit den frühen 1980er-Jahren in bedeutenden institutionellen Sammlungen vertreten (Bündner Kunstmuseum Chur, Graphische Sammlung ETH Zürich, Fundaziun Capauliana, Graubündner Kantonalbank), ist geprägt von thematisch verdichteten Werkgruppen, die existenzielle Grunderfahrungen – Angst, Verletzlichkeit, Transgression, Eros und Tod – in einer kompromisslos ehrlichen Bildsprache verhandeln.

Ausbildung und frühe Jahre
1978 Kunstgewerbeschule Zürich. 1980 Aufenthalt in Berlin. 1982–1984 Ausstellungen "Aqua sana zeigt" mit zahlreichen Künstler:innen in Chur, Betrieb der Lithographie- und Radierwerkstatt Aqua sana. 1987 Umzug nach Basel. Arbeitsaufenthalte in Peyriac-de-Mer (1995) und an der Cité Internationale des Arts Paris (1996–1997). 1998 Rückkehr nach Chur.

Auszeichnungen
1984 Preis der Bündner Presse  
1991 Preis der Stiftung für graphische Kunst in der Schweiz  
1994 Werkjahr der Schweizerischen Bankgesellschaft und Manor Kunstpreis  
2002 Anerkennungspreis der Stadt Chur  
2011 Anerkennungspreis des Kantons Graubünden

Werkgruppen (Auswahl)  
Zindels Werk besteht aus inhaltlich definierten Werkgruppen: "Das Haus der Unruhe", "Das Tuch der Veronika", "Scotts Reise zum Südpol" (1983), "Cuts like a knife", "Die Eroberung der Nacht", "Tränen des Eros", "Marias Nachmittage" (1985), "Der sterbende Gott" (1985–86), "R.E.M. (Rapid Eye Movement)" (1989), "Die Geste des Liebens" (1994), "Offene Tätowierung" (1994–95), "Peyriac de mer" (1995), "Filets" (1996/97), "noli me tangere" (2005), "Territorien" (2005–2007), "Stations of the cross" (2007/08), "Adagio con anima" (2010), "Adagio ritenuto" (2011), "Adagio sostenuto" (2012/13), "Tina" (2014).

Galerietätigkeit
2005 Mitgründer der Galerie S/Z in Uerikon am Zürichsee (mit dem Kunsthistoriker Andrin Schütz).
2012 Initiierung des Ausstellungsformats "Edition Z".
2015–2023 Betrieb der Galerie/Edition Z in Chur, die junge und etablierte Bündner Künstler:innen mit eigenen Katalogen präsentierte.

Wendepunkt 2016/2019
2016 beendete Zindel seine Malerei offiziell mit dem interdisziplinären Gesamtkunstwerk "Tec Nev" (Klang-, Bild- und Raumarbeit) im Theater Chur.
2019 nahm er die malerische Praxis wieder auf.
2022 markierte der Verlust des Zugangs zu seinem Material eine radikale Werkwende: die Rückkehr zur expressiven Geste.



Ausstellungsinformationen

Thomas Zindel – Wilde Ordnung 
11. Dezember 2025 – 10. Januar 2026

Vernissage:
Mittwoch, 11. Dezember 2025, 19 Uhr

Öffnungszeiten Galerie:
Donnerstag & Freitag 14–18.30 Uhr  
Samstag 10–16 Uhr
oder nach Vereinbarung

CUADRO22 
Ringstrasse 22  
7000 Chur  
www.cuadro22.com  
info@cuadro22.com